"Wenn Du in die Natur gehst, nimm nichts mit, lass nichts zurück, zerstöre nichts und schlag nichts tot!" a. Vorbereitung Wie kommt man auf die Idee sowas Verrücktes wie eine Island Fahrt mit dem Fahrrad zu unternehmen .Sie werden es nicht glauben aber es ist war . Die Idee wurde in der heimischen Sauna geboren . Vielleicht ein Indiz für die Auswahl eines Landes das die Extreme Heiß und Kalt in der Natur verbindet . Wünschenswert als Vorbereitung für eine extreme Radeltour ist ein Grundtraining über einen längeren Zeitraum . Mein Grundtraining war und ist die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz . Die einfache Fahrtstrecke von 15 Km summierte sich so in zweieinhalb Jahren auf stolze 10000 Km . Dies kam nicht nur meiner Gesundheit sondern auch der Umwelt zugute , die ich nicht mit Autofahren belastete . Aber nicht nur die konditionellen Aspekte sind bei den Reisevorbereitungen zu beachten sondern das Händeln der Ausrüstung ist genauso wichtig . Das heißt man sollte alle Ausrüstungsgegenstände durch Benutzen testen . Da wir einen Garten haben , war das glücklicherweise für mich einfach . Zum Erstaunen meiner Nachbarn zeltete ich mitten im Januar . Die Qualität der heutigen Isomatten und Daunenschlafsäcke machte es möglich . Ein Pedaleur braucht Energie deshalb zerbrach ich mir meinen Kopf welche Nahrungsmittel gut zu verpacken und vom Energie-Gewichtsverhältniss optimal waren . Außerdem sollte die Nahrung mit relativ wenig Energieaufwand zubereitet werden . Nach langem hin und her testen entschied ich mich für die Mitnahme von hauptsächlich gefriergetrockneten Mahlzeiten . Diese lassen sich mit einem Gaskartuschenkocher innerhalb von ca. 5 Minuten mit minimalen Gasverbrauch zubereiten . Ein Gaskartuschenkocher ist von der Handhabung und Sicherheit einem Benzinkocher vorzuziehen . 1. Ankunft Lange Jahre belästigte mich der Flughafen Frankfurt mit seinem Lärm , heute will ich ihn mal für meine Zwecke benutzen . Mit Sack und Pack stehe ich hier am Abfertigungsschalter der Lufthansa die das Einchecken für Icelandair mitübernimmt . Die Spannung steigt , bald bin ich in Island . Hoffentlich gibt es keine Probleme mit meinem Übergepäck . Laut Buchungsbestätigung darf ich zwar 30 Kg mitnehmen aber alles in allem habe ich 50 Kg . Doch meine Bedenken sind überflüssig , denn das Fahrrad wird nicht gewogen und so gibt es keine Schwierigkeiten . Der Flug mit Icelandair ist angenehm und verläuft ohne Probleme . Nach dem Überflug Schottlands dauert es nicht mehr lange bis Island in Sicht kommt . Wir fliegen eine Schleife und landen um 16 Uhr in Keflavik , dem internationalen Flughafen Islands. Aus dem Fenster des Flugzeuges erblicke ich eine ungewöhnliche Landschaft . Endlose Lavafelder bewachsen mit Moos . Eine große Graubraungrüne Fläche . So vor dem Abenteuer des Radfahrens steht erst einmal der Zusammenbau des Fahrrades und das beladen der Gepäcktaschen . Das zieht sich hin und deshalb starte ich erst um 19 Uhr . Am Flughafen tausche ich 200 DM in 7500 Isländische Kronen um . Anfangs ist es doch ungewohnt mit einem schweren Fahrrad zu fahren , aber man gewöhnt sich schnell daran . An der ersten Tankstelle halte ich kaufe 2 Gaskartuschen und fülle meine Radflaschen mit Wasser . Jetzt bin ich komplett und fahre weiter in Richtung "blaue Lagune" Grindavik . 2. Reykjanes In Ehrfurcht vor dem Großen Baumeister des Universums verneige ich mich . Abseits der großen Touristenrouten liegt eine reizvolle Vulkanlandschaft , die Halbinsel Reykjanes . Reykjanes besitzt für den geologischen Aufbau Islands besondere Bedeutung , denn hier im Südwesten der Insel tritt der Mittelatlantische Rücken mit seinen vulkanischen und tektonischen Aktivitäten an die Oberfläche . Die Halbinsel ist der südwestliche Seitenarm der aktiven Vulkanzone . So verwundert es kaum das man hier auf ausgeprägte Lavafelder und heiße Quellen trifft . Man fühlt sich um Jahrmillionen in der Zeit zurückversetzt . Die Hochthermalgebiete von Svartsengi ("blaue Lagune") werden durch ein Geothermisches Kraftwerk genutzt . 19.7 Sonntag, Temp.16 Grad C, leicht bewölkt, 35 Km An der blauen Lagune angekommen fordern die Isländischen Götter ihr erstes Opfer . Bei einem kurzen Steilanstieg zerreißt die Kette und das hintere Schaltwerk bricht . Meine Stimmung schwankt und entlädt sich in einem Wutausbruch . Mit vielem habe ich gerechnet aber das hatte ich nicht erwartet . Statt 21 Gänge habe ich jetzt nur noch 1 Gang . Aber was solls das Wetter ist schön und irgendwie geht es schon weiter . Die Kette wird also verkürzt und auf ein mittleres Kettenblatt bzw. Ritzel aufgelegt . Danach fahre ich weiter bis Grindavik und suche mir ein Übernachtungsplätzchen . Um 22 Uhr baue ich mein Zelt erstmals in Island auf . Ein schönes Plätzchen auf einer Wiese am Meer . Bin etwas demoralisiert aber nach einem warmen Tee steigt die Stimmung langsam wieder . Das Teekochen gelingt erst im zweiten Anlauf . Eine Butankartusche geht kaputt als ich sie verkehrt eindrehe . Gottseidank habe ich noch eine . Um 23 Uhr ist es hier noch so hell das ich bequem lesen kann. 20.7 Montag, um 6 Uhr 13 Grad C, leicht bewölkt, 59 Km Kurz nach 5 Uhr aufgestanden . Es ist hell und die Sonne scheint . "Dunkel" wird es hier nur von 24-3 Uhr , bzw. eigentlich mehr dämmrig . Habe wenigstens superglück mit dem Wetter . Direkt nach meinem Übernachtungsplatz beginnt ein sehr steiler Anstieg . Muß mein Fahrrad schieben und komme ziemlich ins schwitzen . Die Straße bis Grindavik ist asphaltiert aber hier beginnen die typischen "Straßen" Islands bestehend aus Schotter . Nach dem Steilanstieg geht es auf der anderen Seite fast genauso steil runter . Ständig bremsend kämpfe ich mich abwärts und treffe unten ankommend mehrere Radler 2 Jungs und ein Pärchen . Unterhalte mich mit einem von ihnen und zeige ihm mein Malheur . Er zuckt nur mit den Achseln kann mir leider nicht helfen . Wassernotstand ! Finde keinen Bach oder Fluß um Wasser nachzutanken und spüre was es heißt durstig zu sein . 20 Km fahre ich durch Lavafelder . Unterwegs halte ich öfter und versuche Wasser zu finden . Die Lava ist mit einer 10-20cm dicken Schicht Moos bedeckt . Hierauf laufe ich wie auf einem flauschigen Teppich aber Wasser finde ich nicht . In der Nähe der Abzweigung zum Kleifarvatn komme ich endlich an einem Bach vorbei . Dort treffe ich auf 2 Franzosen natürlich mit Rad. Auf meine Frage ob das Wasser trinkbar sei rieten sie mir es abzukochen. In der Nähe des Baches ist ein größeres Gebäude zu sehen deshalb meine Unsicherheit bezüglich der Wasserqualität . Das war in Island auch das einzige mal das ich Wasser abgekocht habe . Also mache ich eine Pause und stelle das Fahrrad mit einer Folie als Windschutz auf und koche Tee . Der Durst ist gelöscht , die Pause tat gut , jetzt gehts weiter . 3 Km nach der Abzweigung Kleifarvatn treffe ich Alex und Hans , 2 Radler aus Mainz . Wir fahren dann etwa 35 Km zusammen . Am Hlidarvatn machen wir eine längere Mittagspause . Der See ist einmalig schön . Wir kochen uns jeder eine Suppe . Das Wasser entnehmen wir dem See . Der See wird aus Grundwasserquellen gespeist und das Wasser schmeckt köstlich . Zum Abschluß des Menues gebe ich eine Runde Schokocreme aus und erhalte im Gegenzug ein Hanuta . Mit 18 Grad C ist es schön warm und einfach herrlich in der Sonne zu liegen . Nachdem wir uns ausgeruht haben starten wir wieder . Unterwegs habe ich Ärger mit dem Fahrrad. Die Kette springt auf einen größeren Kranz und ist dann so gespannt , daß das Hinterrad ausgebaut werden muß . Vor der Abzweigung Porlakshöfn habe ich mich von Alex und Hans getrennt . Bin müde und mein Soll für heute ist erfüllt .An einem idyllischen Bach baue ich mein Zelt auf . Später am Abend sind dann 5 Islandpferde gekommen und haben ohne Scheu mein Zelt begutachtet . Eines hat sogar neugierig seinen Kopf ins Zelt hineingesteckt . 21.7 Dienstag, um 5 Uhr 10 Grad C, wolkenlos, 70 Km, um 16 Uhr 18 Grad C Stehe heute früh auf um nach Selfoss zufahren . Hoffentlich bekomme ich die Ersatzteile die ich dringend benötige . Zum Teil starker Seitenwind zwingt mich in Schräglage zufahren . Nach relativ anstrengender Fahrt erreiche ich Selfoss . Bei einer Isländerin erkundige ich mich nach einem Fahrradgeschäft . Sie versteht kein Englisch aber mit Handzeichen mache ich ihr klar was ich will und sie zeigt mir bereitwillig das Fahrradgeschäft . Überglücklich erstehe ich ein Shimano 200GS-Schaltwerk und eine neue Kette . Danach gehe ich in den Supermarkt und kaufe erst mal ordentlich ein . Schmause Skyr mit Heidelbeeren , schmeckt prima . Dann fahre ich zum Postamt und rufe zu Hause an . Auf einer Wiese repariere ich das Fahrrad und fahre dann in Richtung Geysir weiter . Mit funktionierender Gangschaltung macht das Pedalieren wieder Spass. Die Strecke ist ohne funktionierende Schaltung wohl nicht zu fahren zumal der Wind frontal und sehr stark bläst . Will mir am Laugarvatn ein schönes Übernachtungsplätzchen suchen , leider ist die ganze Gegend landwirtschaftlich so intensiv genutzt das ich am See kein Platz finde (alles eingezäunt) . Übernachte daher an einem Bach . Ist nicht ganz so schön da direkt an der Strasse , macht aber nichts . Der Autoverkehr ist nicht so dicht wie bei uns und am späteren Abend läßt er ganz nach . 3. Gulfoss , Geysire 22.7 Mittwoch, um 6 Uhr 8 Grad C, leicht bewölkt, 57 Km, um 18 Uhr 15 Grad C Nach mühsamen Auf- und Abstiegen bei Gegenwind Geysir erreicht. Sehr beeindruckend wenn der Strokkur springt . Habe Alex und Hans wiedergetroffen , sie haben auf dem hiesigen Campingplatz übernachtet und wollen jetzt weiter zum Gulfoss. Ich beschliesse erst einmal eine großzügige Rast zu machen . Am Kiosk kaufe ich 15 Postkarten und schreibe mir die Finger wund . Nach so anstrengender Arbeit kaufe ich mir noch Yogurt und Milch und stärke mich . Mmh das hat gemundet . Das Wetter ist phantastisch also aufi gehts . Nach ein paar Kilometer Fahrt auf asphaltierter Straße erblicke ich ein grandioses Panorama . Am Horizont erscheint der Eisschild des Langjökull . Die Luft ist sehr klar und man kann bestimmt fast 100 Km sehen . Island wer verbindet nicht mit diesem Land die heißen Quellen und die Geysire . Das am häufigsten besuchte Thermalfeld ist wohl das Haukadalur mit dem großen Geysir . Seine Aktivität als Springquelle ist zwar erloschen aber seine Anziehungskraft ungebrochen . Das Interesse der Besucher gilt daher dem benachbarten Geysir >Strokkur< (Butterfaß) . Dieser Geysir springt in Intervallen von ca.10 Minuten bis zu 20m hoch . Es ist ein atemberaubendes Schauspiel die Urkräfte der Natur so hautnah zu erleben . Sehenswert sind aber auch die ruhigeren Heißwasserquellen mit feinen Sinterablagerungen und türkisfarbenen Wasser. Gar nicht weit von den faszinierenden Geysiren gibt es aber noch eine weitere isländische Besonderheit der Wasserfall >Gulfoss< (der goldene Wasserfall) . Man sagt es ist der schönste Wasserfall Islands . Die meisten isländischen Schiffe tragen übrigends Namen von Wasserfällen . Der Gulfoss ist erreicht und liegt in seiner ganzen Pracht vor mir . Ein Regenbogen spannt sich über die Schlucht der Hvita . Die Luft ist erfüllt vom Donnern und Brausen der stürzenden Wassermassen . Ich ruhe etwas aus und geniesse das Schauspiel des fallenden stiebenden Wassers . In zwei Stufen , deren Verlauf durch Schwächung im Gesteinsuntergrund bedingt ist , fällt die vom Gletscher Langjökull kommende Hvita in eine enge Schlucht . Harte Basaltlagen sind die Fallmacher. Da es noch früh am Tag ist beschliesse ich heute noch ein Stück ins Hochland zu fahren. Nach kurzer Fahrt ist die Vegetationsdecke verschwunden . Nur einige wenige Pflanzen nehmen den Kampf mit der rauhen Natur auf. Sonst gibt es nur Steine und Felsen . Hier treffe ich Axel und Hans wieder und wir fahren zusammen weiter . Die "Straße" ist absolut ekelhaft totales Wellblechschotter . An der Brücke über den Fluß Sanda schlagen wir für heute unser Lager auf . Eine Wellblechhütte bietet bei schlechtem Wetter Unterkunft auf einem Matratzenlager . Das Wetter ist aber schön und so baue ich mein Zelt auf . 2 isländische Familien kommen mit Gelände- und Campingwagen zum fischen hierher . Wir kommen mit den netten Isländern schnell ins Gespräch und bekommen 2 Fische geschenkt . Alex schaltet sofort und macht ein Feuerchen mit Abfallholz das herumliegt . Der Isländer steuert noch ein Rost bei und so haben wir bald ein tolles Abendessen mit herrlich schmeckenden frischen Fisch . Alex und Hans geben zum Schluß noch eine Runde Tee mit Rum aus . Satt und müde schlafe ich schnell ein . 23.7 Donnerstag, um 8 Uhr 11 Grad C, leicht bewölkt, 40 Km, um 19 Uhr 15 grad C , bedeckt Regen Gestern Abend war noch High-Life . Die Isländer haben gefeiert und ordentlich gebechert . Gottseidank nicht mitgemacht sonst wär ich wohl nicht fähig zu fahren . Heute gehts zum Gletscher . 4. Am Gletscher Dem Glauben verhaftet zu bleiben , es könne nur eine allgemeingültige Wahrheit geben , bedeutet unweigerlich , zugleich innerhalb eben jenes Regel - und Vorschriftengefüges zu verharren , das solche Dinge wie Magie überhaupt erst notwendig macht . Ralph Tegtmeier Nach dem Vulkanismus sind die Gletscher die großen Gestalter der isländischen Landschaft . Sie bedecken etwa 11,5% der Fläche Islands . Die isländischen Gletscher sind größer als die meisten Alpengletscher und bedecken uhrglasförmig komplette Landschaften. So auch der Langjökull vor dem ich nun stehe . Die Gletscher Islands sind das Ergebnis einer Klimaverschlechterung vor rund 2500 Jahren . Am Vatnajökull erreichen die Eismassen eine Dicke von bis zu 1000m . Übertroffen werden diese Eismächtigkeiten nur noch von den Gletschern Grönlands und der Antarktis . Quer über den Weg lag ein glänzendes Bollwerk aus Eis . Es glitzerte in der Sonne wie ein riesiger Diamant . Sein kristallenes weiß erglühte vor leuchtendblauen Schatten , die seine Fehler übertünchten : die Spalten , Gänge , Stollen , Höhlen und Einschlüsse , die den gigantischen Edelstein durchlöcherten . Ich hatte den Gletscher erreicht . Nicht der Dauerfrost schuf die Gletscher , sondern die Ansammlung des Schnees über Jahre hinweg . Trotz einiger weniger heißer Tage waren es bitterkalte Winter im Zusammenspiel mit kühlen , bewölkten Sommern , in denen die Schnee- und Eisreste des Winters nicht völlig auftauen konnten , die das Blatt wendeten und eine Eiszeit eröffneten . In den Mulden hoch oben in den Bergen , häufte sich der leichte lockere Schneee . Doch dann zermalmte das Gewicht des gefrorenen Wassers die zarten Flocken und verschmolz sie zu kleinen , runden Eisbällen : Firnschnee . Firn bildete sich nicht an der Oberfläche , sondern tief in den Mulden , und wenn es weiter schneite , wurden die schweren , festen Schichten hoch- und über den Rand der Mulde gedrängt . Die fast kreisrunden Eisbälle wurden durch das Gewicht von oben so hart zusammengepreßt , daß sich ein Teil der Energie in Wärme verwandelte . Für einen kurzen Augenblick tauten sie an den vielen Berührungspunkten , froren gleich wieder und schweißten sich zusammen . Während sich die Eisschichten verdickten , verwandelte der Druck die Struktur der Moleküle zu festen , kristallischen Eis . Unter den hohen Druck begann das Eis zu fließen . Gletschereis , das unter Druck entstand , war besonders kompakt ; und doch floß die große Masse in niedere Höhen wie eine zähe Flüssigkeit dahin . Der Gletscher folgte den Konturen des Landes , zermalmte es und formte es neu , während er sich seinen Weg bahnte . Der Eisfluß hatte seine Strömungen und Wirbel , seine stehenden Gewässer und tosenden Zentren gleich einem Wasserfall , doch sein Zeitmaß entsprach seiner zähen Schwerfälligkeit . Das durchdenkend und vor dieser großartigen Kulisse sitzend kehrte große Ruhe in meinen Geist ein . Ein anderes Zeitgefühl ergriff Besitz von mir . Überwältigt schaute ich in die Schönheit des geordneten Chaos . Ist der Zerfall der Ordnung in Turbulenz - in jenem seltsamen Attraktor - ein Zeichen für den unendlich tiefen inneren Zusammenhang des Systems ? Genaugenommen ein Zeichen seiner Ganzheit ? So merwürdig dies erscheinen mag , viele Indizien weisen in diese Richtung . Ich habe noch einmal Glück mit dem Wetter. Am Hagavatn direkt an einer mächtigen Gletscherzunge des Langjökull war es noch schön bis 14 Uhr. Bin 2-3 Stunden gewandert zum Gletscher. Das Panorama ist sehr beeindruckend. Dann habe ich mir eine Suppe gekocht . Als ich mit dem Essen fertig war fing es an leicht zu regnen. Auf dem Rückweg die Italiener wiedergetroffen . Einer von ihnen hat wie ich ein Problem mit dem Knie . Die Anstrengungen sind groß und wahrscheinlich habe ich mein linkes Knie überanstrengt . Habe glücklicherweise Mobilatsalbe mit und mache mir damit dann abends einen Verband . Fahre noch ein Stück auf der F37 ins Hochland . Die Isländer sind sehr unkompliziert und freundlich . Ein Jeepfahrer hält und will mich mitnehmen . Fahre aber trotzdem mit dem Rad weiter um das Gefühl für die Entfernungen nicht zu verlieren . Kurz bevor der Regen wieder anfängt ist das Zelt aufgebaut und ich sitze gemütlich im Trockenen 24.7 Freitag, um 6 Uhr 8 Grad C, leicht bewölkt, 92 Km Habe mich entschlossen noch weiter ins Hochland Richtung Kverkfjöll zu fahren . Aber der Wind ist mörderisch . Er bläst direkt von vorne mit bestimmt 30 Km/h . Staubfahnen wirbeln empor und als Zugabe ein steiler Passanstieg . Brauche für 3 Km 2 Stunden , mehr schiebend als fahrend . Deshalb entscheide ich mich auf der Passhöhe umzukehren . Fahre nun mit dem Wind im Rücken die gleiche Strecke in einem Bruchteil der Zeit zurück . Der Wind schiebt mich mit 20 Km/h über die Piste , teilweise muß ich nicht mal treten . Der Passaufstieg hat mich so geschafft , daß ich an der Sandabrücke eine Pause mache , in der Sonne liege und schlafe . Nach einer guten Stärkung bin ich mit Rückenwind förmlich über die Schotterpiste geflogen und in Rekordzeit wieder am Gulfoss . Es ist warm und dank dem günstigen Wind geht es wie im Flug zum Bischofssitz Skalholt . Die Kirche ist schlicht aber sehr schön . Viele Fensterbilder und die Sonne schaffen eine einmalige Atmosphäre . Die Decke ist in Holz gehalten und kontrastiert mit den weißen Wänden . An einer Tankstelle kaufe ich mir Skyr . Die frische Quarkspeise schmeckt nach dem Hochland einfach himmlich . Habe wieder Glück gehabt und ein ruhiges Plätzchen an einem kleinen Fluß gefunden . Nach 6 Tagen und 350 Km will ich es morgen etwas langsamer angehen und nicht soweit fahren . 25.7 Samstag, um 7 Uhr 12 Grad C, leichter Regen, 44 Km, um 15 Uhr 12 Grad C , starker Wind Es regnet . Da beschließe ich erst mal im Zelt zu bleiben . Packe zusammen wenn der Regen aufhört . Das tut er auch und so fahre ich bis zur Abzweigung des Landmannaleid . Für morgen habe ich also eine gute Startposition . Allerdings nächtige ich direkt am Fuß eines aktiven Vulkanes . "Wehe dir Hekla" sende ich ein Stoßgebet gehn Himmel . Alles verbrannte Erde ringsum . Erst langsam erholt sich die Natur . Zaghaft kämpfen sich ein paar Pflanzen durch die Asche . Sehe wohl morgen aus wie ein Schmutzfink . Naja macht nichts . Morgen werde ich in Landmannalaugar sein in warmen Bächen baden und den Schmutz wegspülen . 5. Heiße Quellen So etwas kann man sich nicht vorstellen , man muß es erlebt haben. In Landmannalaugar ein Bad zu nehmen ist ein phantastisches Erlebnis . Mitten im Torfajökull-Massiv befindet sich ein Urlandschaft. An vielen Stellen dampft es aus der Erde . Erkaltete Lavaströme überall und ich mittendrin . 26.7 Sonntag, um 6 Uhr 7 Grad C, bewölkt, 49 Km Geschafft nach anfangs schöner Fahrt , Landmannalaugar in strömenden Regen erreicht . Doch was solls , habe mein Zelt in unmittelbarer Nähe eines warmen Baches auf dem Campingplatz aufgestellt . In dieser Ecke des Campingplatzes campieren nur Radfahrer . Erstaunlicherweise sind auch Frauen darunter, die sich durch die Schotterpisten Islands kämpfen . Bin die Strecke von 49 Km in 5 Stunden gefahren. Das ist in Island ein guter Schnitt. Mache mir jetzt erstmal was zu Essen, nachdem es gestern wegen Wassermangel (kein Bach) ausfiel . Mit dem Baden hat es noch Zeit. Sehr viel Betrieb hier und das Freiluftschwimmbad ist besetzt. Landmannalaugar liegt in 590m Höhe und es gibt hier noch Schneereste vom letzten Winter . Der warme Bach ist einmalig. Viele Wasserpflanzen wachsen dort. An seiner Quelle beträgt die Wassertemperatur 60 GradC. Der Bach fließt dann in ein mit natürlichen Steinen aufgestautes Becken. Dort vermischt sich das heiße Wasser mit kälterem und erreicht erträgliche Temperaturen von 25 - 40 Grad C. Schön finde ich das alles naturbelassen ist. Man sitzt auf kiesigem Grund und läßt sich vom warmen Wasser umspülen. Nach einem Kaffee gehe ich jetzt baden. Ah was für ein Erlebnis. Fühle mich richtig frisch und sauwohl. Nach einer Woche dürftigen Waschens habe ich langsam angefangen zu stinken. Das Wetter ist außerordentlich unbeständig. Mal Regen, mal Sonnenschein und das ganze in 1Stunde. 27.7 Montag, bei Sonne 20 Grad C, bewölkt, 0 Km Heute ist ein absolut radelfreier Tag angesagt . Gehe jetzt wandern auf den Blahnukur 943m . Eine einzige Schutthalde sind die Berge hier . Nach dem Motto zwei Schritt voran einer zurück steige ich hoch . Von oben genieße ich die großartige Rundsicht . Beim Abstieg bin ich an einer Wiese mit warmen Bächen vorbeigekommen. Aus der Erde kommt das warme Wasser richtig geblubbert . Der Campingplatz hat sich sehr geleert . Gestern war er noch voll gewesen . Der Höhepunkt der Tour ist überschritten . Morgens geht es wieder ein Stück in Richtung Heimat . Es ist jetzt um 15 Uhr fast windstill und die Sonne scheint . Darauf haben die Insekten gewartet und schwärmen aus . Daherbeschließe ich noch ein wenig durch die Lavafelder zu wandern . Man sieht die tollsten Formen von Elfen und Trollen . 28.7 Dienstag, um 6 Uhr 9 Grad C, bewölkt, 88 Km, um 12 Uhr 12 Grad C Leider muß ich von diesem traumhaften Ort fort . Spreche noch kurz mit einer Schweizerin . Sie erzählt mir das sie für 9 Monate in Island arbeitet und jetzt 2 Wochen Urlaub hat . Übrigends ist sie auch mit dem Rad nach Landmannalaugar gefahren . Bin mit gutem Rückenwind über den Landmannaleid "geflogen" und habe die 60 Km bis an die Fossabrücke in 5 1/2 Stunden geschafft . Trotzdem streikt mein linkes Bein . Da gerade Mittagszeit ist baue ich schnell mein Zelt auf um Essen zukochen . Gerade als ich fertig bin mit dem Zeltaufbau beginnt es heftig zu regnen . Glück gehabt . Mache erst mal eine ordentliche Pause . Nachdem der Regen aufhört packe ich alles zusammen und fahre weiter . Ein Blick zum Himmel verheißt aber nichts gutes . Wettermäßig wird es schlechter , der Wind kommt aus südlichen Richtungen . Statt Schauerwetter gibt es jetzt Dauerregen . Bis Arnes will ich fahren . Als ich dort ankomme bin ich total nass und ausgekühlt . In der dortigen Tankstelle wärme ich mich ein wenig und kaufe ein . Skyr natürlich und Gebäck. Auf dem Campingplatz den ich dann aufsuche steht ein heißer Pool. Nachdem Zeltaufbau hüpfe ich dort hinein und wärme mich auf. Das Wasser ist herrlich warm ca. 40 Grad C. So kann man schlechtes Wetter aushalten. Zumal es jetzt schüttet. Richtig mit Hitze aufgeladen liege ich im Zelt und es regnet was der Himmel hergibt. 29.7 Mittwoch, um 9 Uhr 12 Grad C, stark bewölkt, 71 Km Heute morgen steht erst einmal Wäschetrocknen auf dem Programm. Ich breche auf wenn die Sachen einigermaßen trocken sind. Der Wind hat wieder etwas gedreht mit der Folge das ich auf der Rückfahrt auch wieder Gegenwind habe . Nach langweiliger Fahrt in Selfoss eingetroffen . Bin zum Postamt gefahren und habe zu Hause angerufen . Dann wieder in den Supermarkt und ordentlich eingekauft . Heute Abend gibt es ein Festessen bestehend aus Spaghetti mit Soße und Becks Bier . Das Bier ist nicht so teuer . Habe für eine halb Liter Büchse umgerechnet 3 DM bezahlt . Der Regen und die Näße können mir jetzt nichts mehr anhaben . Bin zu dem gleichen idyllischen Plätzchen gefahren wie auf der Hinreise . Die Pferde kamen natürlich auch wieder und haben mich neugierig beschnüffelt . Sie sind erstaunlich zutraulich und haben keine Angst. Bin heute wieder lange gefahren . Morgen will ich es langsamer angehen lassen . 30.7 Donnerstag, um 6 Uhr 9 Grad C, leicht bewölkt, 48 Km, um 17 Uhr 16 Grad C Nach dem Trocknen der Wäsche bin ich über eine scheußliche Schotterpiste zur Strandarkirkja gefahren. Die kleine Kirche steht direkt am Meer. Innen ist sie sehr schön anzusehen. Sie wurde von Seefahrern zum Gedenken an Ihre Rettung gebaut. Dann weiterfahrt zum Hlidarvatn und Mittagessen am See . Habe viel Hunger und deshalb einen großen Topf Spaghetti gekocht . Zum Nachtisch gibt es die köstliche Schokocreme und als 3.ten Gang ein gemütliches Mittagsschläfchen . Eigentlich wollte ich nicht mehr weiterfahren , aber nach Überwindung des inneren Schweinehundes bin ich dann doch gefahren . Die Rechnung bekomme ich prompt serviert . Ich muß über absolut scheußlich rutschenden Schotter bei Gegenwind fahren . Beschissener gehts nicht . Nach kurzer Zeit tun mir alle Glieder weh . Gerade sind drei irre Radler vorbeigekommen , wo die bloß noch hinwollen . In der Nähe von Krisuvik auf schöner Wiese mein Lager aufgeschlagen . 31.7 Freitag, um 8 Uhr 13 Grad C, stark bewölkt, 19 Km, leichter Regen wenig Wind um 16 Uhr 13 Grad C Will einen Ausflug zum Kleifavatn machen , aber es regnet stärker und so lasse ich es sein . Nach kurzer ruhiger Fahrt mit Rückenwind erreiche ich meinen ersten Zeltplatz in Island wieder . Vom Meeresrauschen lasse ich mich in den Schlaf treiben . 1.8 Samstag, letzter Tag um 9 Uhr,16 Grad C, stark bewölkt, 34 Km Heute Nacht hat es stark geregnet . Im Zelt ist es jedoch trocken und gemütlich . Hier am Ufer liegen viele Treibholzstämme von 20-30 cm Stärke und 3-4 m Länge herum . Das Holz ist völlig vergraut . Früher haben die Isländer das Holz als Baumaterial verwendet . Über die russischen Flüsse gelangt das Holz ins Nordmeer und wird dann irgendwann in Island angespült . An der blauen Lagune brach vor 2 Wochen das Schaltwerk und so fing dieser Islandurlaub an . Jetzt bin ich wieder an der blauen Lagune angekommen . Bis auf dieses anfängliche Malheur ist diese Reise ohne sonstige unangenehme Zwischenfälle verlaufen. Und so beende ich meinen Islandaufenthalt mit einem Bad im "Abwasser" eines Geothermischen Kraftwerkes. Der Schmutz von fast 700 Km Island wird heruntergespült und ich fühle mich phantastisch gut . Das Wasser ist eine salzige Lake von 35 - 40 Grad C und riecht leicht schwefelig . Wenn dir zu warm wird läufst du am Strand auf und ab und läßt dich vom Wind kühlen . Dann gehts wieder ins Wasser und das Spielchen beginnt von neuem. Das ist ein wunderbarer Ausklang von Island. Nach ruhiger Fahrt mit überwiegend Rückenwind den Campingplatz von Keflavik erreicht. Kein schöner Platz aber so mancher Anfang und Ende einer Abenteuerreise durch Island . Am Abend noch mit einem Radler geklönt der 5 Wochen unterwegs war und jetzt noch einmal 5 Wochen mit der Freundin und dem Bus durch Island fährt. 2.8 Sonntag,12 Grad C,stark bewölkt Regen,16 Km Um 4 Uhr aufgestanden um zum Flughafen zu fahren . Habe aber den Weg nicht gefunden und hätte mich beinahe verfahren . Um 5 Uhr am Flughafen angekommen und alles eingepackt . Viele Leute übernachten hier . Um 6 Uhr werden sie geweckt . Kurz danach ist die Flughafenhalle voll von Menschen die sich um die Abfertigungsschalter drängen . Die Welt der lauten und schubsenden Menschenmassen hat mich wieder , Schade ! . Dazu als Würze kommt ein Computerausfall . Doch die Isländer am Abfertigungsschalter bleiben ganz cool . Sofort wird improvisiert . Das dauert ein wenig länger aber es funktioniert . 6. Zurück zur Familie Nach mir lang vorkommenden 3 1/2 Stunden landet die Maschine auf dem Rhein Main Flughafen in Frankfurt . Die Orgie der Menschenmassen scheint sich zu potenzieren . An der Gepäckausgabe ist ein Treiben wie in einem Ameisenhaufen . Doch auch das ist jetzt geschafft . Noch eine Tür und da sind meine Lieben . Es ist schön wieder zu Hause zu sein .  siehe auch Island mit dem Fahrrad 1995 weiter....-> Mehr Fotos in höherer Auflösung als DIA Show finden Sie hier weiter....-> Quellenangabe: Alle Bilder sind vom Autor sofern nicht anders gekennzeichnet Schrifttum: Schnütgen,Achim : DuMont Landschaftsführer 3.Auflage 1990 Tegtmeier,Ralph : Zauber der Runen 1.Auflage 1991 Jean M.Auel : Ayla und das Tal der grossen Mutter Hoffmann und Campe 1.Auflage 1991 Hannig,Christian E. : Island-Vulkane,Eis und Einsamkeit: eine extreme Tour per Fahrrad : München : Frederking u.Thaler Kamera: Olympus analog
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