Island mit dem Fahrrad 1995 PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 09. August 2007 um 20:52 Uhr

"Wenn Du in die Natur gehst, nimm nichts mit, lass nichts zurück, zerstöre nichts und schlag nichts tot!"

 

für Sibylle , Andreas und Karin

rad-fah-ren

<ist> die Kunst , allein, zu zweit oder in Gruppen

bergauf und bergab auf zwei Rädern das äußere

Gleichgewicht zu halten , um das

innere Gleichgewicht zu erfahren .

Tomus

 

Vorwort

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum - mir träumte ,

daß ich mit dem Herrn am Ufer des Meeres entlanging .

Am Himmel flammten Szenen aus meinem Leben auf .

Bei jeder Szene entdeckte ich zwei paar Fußabdrücke im Sand -

ein paar war von mir , das andere vom Herrn .

Als die letzte Szene meines Lebens aufflammte , sah ich mich um

nach den Fußspuren im Sand .

Ich bemerkte , daß oftmals auf meinem Lebenspfad

nur eine Fußspur zu sehen war .

Und es fiel mir auf , daß dies immer während der

dunkelsten und traurigsten Zeiten meines Lebens geschehen war .

Dies bewegte mich sehr , und ich fragte den Herrn ,

weshalb das so sei :

"Herr , als ich mich entschloß Dir , nachzufolgen , versprachst

Du mir , meinen ganzen Weg mit mir zu gehen .

Nun habe ich aber bemerkt , daß in den schwersten Zeiten meines

Lebens nur ein paar Fußabdrücke zu sehen ist .

Ich verstehe nicht , warum Du mich allein gelassen hast ,

als ich dich am allermeisten nötig hatte ."

Der Herr antwortete :

"Mein teures , liebes Kind ,

Ich liebe dich und würde dich nie , nie allein gelassen haben

während der Zeiten des Leidens und der Anfechtung .

Wenn du nur ein Paar Fußabdrücke gesehen hast , so war

das deshalb , weil ich dich getragen habe ."

Verfasser unbekannt

a. Vorbereitung

Wichtig für einen Aufenthalt in Island ist , seine Ausrüstung sorgfältig zusammen zustellen , und die Handhabung dieser Ausrüstung zu trainieren . Insbesondere der Zeltauf- und abbau ist auch unter extremen Bedingungen , wie starkem Regen oder stürmischem Wind , zu beherrschen . Kochen im Zelt wird ebenfalls , wegen des Windes , sehr häufig der Fall sein . Auch dies sollte bei der Zusammenstellung der Ausrüstung bedacht werden . Nicht zu vergessen ist die Tatsache , daß in Island nur in den größeren Ortschaften Fahrradgeschäfte vorhanden sind . Eine Auswahl an erforderlichen Ersatzteilen , sowie entsprechendes Werkzeug , sollte dabei sein . Die wichtigsten Reparaturen sollte man zu Hause am besten einmal üben . Die Isländer sind in der Regel zwar sehr hilfsbereit , bei Autoreparaturen wahre Meister der Improvisation , doch bei Fahrradinstandsetzungen vielfach überfordert . Kein Mensch fährt in Island mit dem Fahrrad außerhalb der Ortschaften herum , schon gar nicht mit großem Gepäck . Die Isländer halten alle für Verrückte , die durch dieses Land ohne PS-starke Allradfahrzeuge fahren . Der Fahrradreisende ist in Island also auf sich oder Gleichgesinnte angewiesen . Konditionell stellt Island schon einige Anforderungen . Das beste Training ist in Deutschland Sommer wie Winter Fahrrad zufahren . Mein Training besteht aus der täglichen Fahrt zur Arbeit bei jedem Wetter . Im Jahr kommen so ca. 6000 Km zusammen . Das hat sich als Islandtraining bestens bewährt . In Island sollte man sich allgemein nach dem Wetter richten . Das zwingt in der Regel zu Umplanungen der vorgesehenen Tour . Tagelang gegen Wind und Regen zu fahren sollte man sich ersparen . Die Reise soll ja Urlaub sein . Man sollte sich also nicht schämen die Linienbusse zu benutzen , um sich Quälereien zu ersparen . Meine Tour in 95 war anfangs ganz anders geplant . Ich wollte eigentlich in das Hochland fahren . Aber der isländische Winter war 94/95 der strengste seit 50 Jahren , und die Schneeschmelze hatte erst spät eingesetzt . Alle Hochlandpisten waren noch gesperrt . So mußte ich also meine Tour komplett umplanen . Bereut habe ich das aber nicht .

1. Ankunft

Nach der Anspannung am Flughafen ob alles glatt geht , sitze ich im Flugzeug und fühle mich sehr gut . Nach 3 1/2 Stunden Flugzeit landet die Maschine pünktlich auf dem internationalen Flughafen in Keflavik . Am Flughafen wechsle ich gleich etwas Geld und nehme mein Gepäck in Empfang . Gepäck und Fahrrad sind komplett da , und wie es scheint auch in Ordnung . Das ist nicht selbstverständlich , wenn man die Berichte von anderen Radfahrern liest . Da kamen die Bike's ziemlich ramponiert aus dem Flugzeug . Im Flughafengebäude will ich wie vor drei Jahren mein Fahrrad zusammenbauen . Ein andere Biker aus Deutschland hat die gleiche Idee . Aber ein unfreundlicher Isländer macht uns einen Strich durch die Rechnung . Er meint das sei kein Bike-Shop , und wir sollen nach draußen gehen . Ich erwidere das ich gleich fertig sei , aber das interessiert ihn nicht . Daraus zu schließen die Isländer sind unfreundlich ist aber falsch . Leider dreht sich wie auch anderswo auf der Welt alles nur noch ums Geld . Die Pauschalttouristen bringen halt mehr Geld ins Land als die Individual- , Rucksack- und Biketouristen . Der andere Radler aus Deutschland hat keine Luftpumpe dabei. Ich leihe Ihm meine . Er will in drei Wochen einmal rund um die Insel . Da hat er sich meiner Meinung nach etwas zuviel vorgenommen . Mit gutem Rückenwind und auf gut asphaltierter Straße bin ich dann nach Reykjavik zum Stadtflughafen gefahren . Am Stadtflughafen gibt es keine Probleme . Die Isländer sind völlig unkompliziert . Für das Fahrrad muß ich allerdings extra bezahlen . Es braucht aber nicht verpackt zu werden . Dann bin ich mit einer 2-motorigen Fokker (Propellermaschine) nach Akureyri geflogen . Der Flug dauert ca. 40 Minuten . Der Pilot verspricht für Akureyri sehr gutes warmes Wetter . In Reykjavik dagegen ist es etwa 10° C und neblig . Nach etwa der halben Flugzeit reißen die Wolken plötzlich auf und ich sehe Teile des Hochlandes . Sehr viel Schnee liegt dort . Als ich das so sehe glaube ich nicht mehr daran die Hochlandtour machen zu können .

2. Akureyri

Akureyri "Die Perle des Nordens"

Der erste Besiedler des Gebietes um Akureyri war der aus Irland stammende Helgi der Magere. Sein Wohnsitz soll Kristenes im Tal der Eyjarfjardara gewesen sein .

1.Tag Sonntag, Uhrzeit : 16Uhr, Temp. : 10°C, Luftdruck : 1033 mBar,Höhe über NN : 10 m, Tachostand : 5941Km

 

In Akureyri ist tatsächlich herrliches Wetter. Es ist 20°C warm und die meisten laufen in kurzen Hosen und Tshirts herum. Dieser Gegensatz zu Reykjavik verdankt Akureyri dem Südföhn der heftig aus dem Süden kommend durch den Fjord weht. Ein Isländer spricht mich an und fragt woher ich komme. Als ich sage, daß ich aus Deutschland komme spricht er in fließendem guten Deutsch weiter . Er erzählt mir, daß erst seit 4 Tagen wärmeres Wetter ist , und der Schnee jetzt richtig schmilzt. Schnee liegt teilweise bis zum Wasser herunter und dokumentiert, daß der Isländer die Wahrheit erzählt. In der warmen Sonne taut es kräftig , und der Fluß der in den Fjord mündet führt Hochwasser . Ich fahre zuerst an eine Tankstelle , um meine Vorräte zu ergänzen . An der Tankstelle fülle ich meine MSR-Flaschen mit Benzin und kaufe am Kiosk 4 Pakete Spaghetti . Es ist 20 Uhr und so schönes Wetter , daß ich beschließe noch ein Stück am Fjord in Richtung Myvatn zu fahren . Plötzlich gibt es einen Verkehrsstau . In Island ein eher seltenes Phänomen . Die Ursache ist einmal Neugier der Menschen am Unglück anderer und ein Bergrutsch . Durch die heftige Schneeschmelze schießt das Wasser regelrecht die Hänge hinunter . Gottseidank hat der Bergrutsch nur ein Nebengebäude des Bauernhofes betroffen , und es ist augenscheinlich nicht viel passiert . Halb über den Fjord habe ich dann ein schönes Übernachtungsplätzchen mit Superblick auf die Mitternachtssonne gefunden . Es ist jetzt 22Uhr30 und Taghell. Einfach faszinierend. Nachdem ich 2 Stunden geschlafen habe ist es nach Mitternacht und immer noch so hell, daß ich bequem lesen oder schreiben kann. Der Wind ist aufgefrischt, und weht mit starken Böen. Die Wiese, auf der ich campiere, ist völlig aufgeweicht. Hoffentlich halten die Heringe das Zelt am Boden.

3.Myvatn

2.Tag Montag, Uhrzeit : 5Uhr50, Temp. : 13 C, Luftdruck : 1012 mBar, Höhe über NN : 280m, Tachostand : 6020 Km

Fliegen -

1. Insekten , die vorzugsweise in Höhe von Radfahrköpfen herumschwirren . 2.Fortbewegungsweise des Radfahrers nach einer zu schnell genommenen Kurve.

Heute morgen weht der Wind noch heftiger als in der Nacht . Aber , für einen Radler wichtig , in der richtigen Richtung . Nach dem Frühstück fahre ich dann zum Godafoss . Mit dem Wind im Rücken und der guten Asphaltstrasse komme ich zügig voran . Die Flüsse und Seen an denen ich vorbeifahre führen Hochwasser. Ein See überschwemmt sogar die Strasse ein wenig . Die Isländer haben damit aber keine Probleme . Die Häuser sind weit genug vom Ufer weggebaut . Nach 32 Kilometern bin ich am Godafoss angekommen . Durch die Schneeschmelze ist der Wasserfall sehr imposant anzusehen . Viele Reisebusse bedeuten viele Touristen , da sehe ich zu , daß ich weiterkomme . Als Fotomodell möchte ich nicht unbedingt herhalten .

Ein Passanstieg steht mir bevor . Das Asphaltband verkommt zur Schotterpiste . Nur für die Touristen hält man die Strasse von Akureyri zum Godafoss in gutem Zustand . Nach dem Überwinden der 10%-igen Steigung gönne ich mir eine Mittagspause . Das Wetter ist gut , und ich fühle mich pudelwohl so faul in der Sonne zu liegen . Hinter meinem Windschutz , bestehend aus Fahrrad und Folie , koche ich mir ein Süppchen . Mit Blick auf die verschneiten Berge ringsum schmeckts doppelt so gut . In Laugar , einem winzigen Ort , gibt es eine Post , und so rufe ich zu Hause an . Vorbei an einem stellenweise noch zugefrorenen See geht es zum Myvatn (Mückensee) . Auf dem Campingplatz in Skutustadir mache ich für heute Schluß . Später treffen 2 Schweizer , Mathias und Rocher ein , die wie ich mit dem Fahrrad unterwegs sind . Sie fahren von Akureyri in die gleiche Richtung wie ich . Sie erzählen in Akureyri haben sie gehört , daß dieser Winter der Härteste seit 50 Jahren in Island war . Später am Abend , so gegen 22 Uhr , treffen sich 2 Isländer und spielen Basketball . Bedingt durch die hellen Nächte im Sommer verschiebt sich wohl der Lebensrythmus .

4. Dunkle Lavaburgen

Island - ideales Radfahrgebiet für Masochisten

3.Tag Dienstag, Uhrzeit : 21Uhr, Temp. : 13 C, Luftdruck : 996 mBar, Höhe über NN : 280m, Tachostand : 6091Km

Heute habe ich Geburtstag . Nach dem Kaffeetrinken habe ich 11 Postkarten an die Lieben daheim geschrieben . Ohne belastendes Gepäck bin ich mit dem Fahrrad zu den dunklen Lavaburgen Dimmuborgir gebikt . Davor mußte ich einige Kilometer über eine scheußlich weiche Schotterpiste fahren . Dimmuborgir ist eine eindrucksvolle Lavalandschaft . Sehr schön angelegte Wege mit Hinweisschildern erleichtern das Wandern . So kann ich spazierengehen ohne befürchten zu müssen das ich mich verlaufe . Bin zu einem Lavagebilde gewandert das aussieht wie eine kleine Kirche und von den Isländern auch so benannt ist "Kirkja" .

Am Nachmittag nach der Rückkehr von den Dimmuborgir bin ich durch die Pseudokraterlandschaft am Campingplatz gewandert . Dabei hat der Mückensee seinem Namen alle Ehre gemacht . Von hunderten Kriebelmücken bin ich überfallen worden . Die Kleidung wurde von den Insektenleibern schwarz . Zum Glück stechen diese Mücken nicht . Sie haben aber die unangenehme Eigenschaft überall hinzukriechen . Zurück auf dem Campingplatz bin ich dann mit Michael und Ute ins Gespräch gekommen . Sie sind mit einem Tandem und Hänger auf Hochzeitsreise durch Island . Michael erzählt mir von den Stürmen in der Nähe des Hochlandes die sie gezwungen haben in Schutzhütten Unterschlupf zu suchen . Ute ist froh nach einer Woche endlich mal wieder duschen zu können . Beide erzählen mir dann von Ihren Kanutouren durch Kanada im Yukon Territorium .

5. Lavalandschaften

Berg - lästige Landschaftsausbuchtung , die meist die unangenehme Eigenschaft aufweist , daß die Straße nicht um sie herum , sondern über sie hinwegführt .

4.Tag Mittwoch, Uhrzeit : 8Uhr, Temp. : 17 C, Luftdruck : 1000 mBar, Höhe über NN: 280m, Tachostand: 6114 Km

 

Über die fürchterliche Schotterpiste bin ich dann mit Gepäck bis Reykjahlid gefahren und habe die Badegrotte gesucht die im Reiseführer beschrieben ist . Nach einigem suchen habe ich sie dann gefunden . Neben der Strasse verläuft in paralleler Richtung eine Spalte . Die Isländer haben zwei Holztreppen gebaut über die man auf den Grund der Spalte steigt . Durch einen Felsspalt gelange ich dann mithilfe eines Seiles in das glasklare etwa 30°C warme Wasser . Kein Mensch weit und breit . So genieße ich allein das wunderbare Vergnügen in einer warmen Badegrotte zu schwimmen . So wie in Landmannalaugar ist alles naturbelassen . Kein Beton keine Verbotsschilder . Am liebsten würde ich hierbleiben . Aber das Wetter ist so schön , und die Sonne scheint sehr warm . Es ist windstill . Jetzt erheben sich Kathedralen von Myriaden Mücken in die Lüfte . Alles ist erfüllt vom summen der Mückenschwärme . Die Luft flimmert vor Hitze . Ich fahre weiter in Richtung der großen Spalte . Hier ist ein Wasserrohr eingebaut und durchgeschnitten. So kann ich die Wanderung der Kontinentalplatten sehen. Jedes Jahr wird Island ein paar Zentimeter größer. Mit einem Fuß stehe ich in Amerika und mit dem anderen in Europa. Dann komme ich an die eindrucksvolle große Spalte . Die Erde ist wie mit einem überdimensionalen Pflug aufgebrochen . Große Schollen liegen rechts und links der Spalte . Hier ist auch eine Grotte . Bis vor einigen Jahren konnte man hier auch baden . Aber die Wassertemperatur hat sich leider verändert . Sie beträgt etwa 60°C . Schade ! . Schönes Wetter in Island muß ich nutzen und so fahre ich weiter . Nach der heftigen 10% Steigung und anschließenden 12%igen Gefälle erreiche ich die Solfatarenfelder von Namaskard . Namaskard ist ein relativ großes Gebiet mit blubbernden Schlammlöchern und zischenden Kaminen . Die Wege sind markiert , so daß ich nicht fürchten muß in die heiße Erde einzubrechen . Das kam früher schon mal vor . Vor den großen Schlammlöchern sind begehbare Holzstege angelegt . Überhaupt gewinne ich den Eindruck das die Isländer viel Anstrengungen unternommen haben die touristische Infrastruktur zu verbessern . Das hat zur Folge , daß die Wildheit und Ursprünglichkeit der Landschaft etwas verloren geht . Für die Isländer ist aber eine weitere Einnahmequelle aus dem Tourismus unerläßlich . Da es erst Mittag ist beschließe ich das Erdwärmekraftwerk an der Krafla zu besuchen . Hinter dem Kraftwerk lasse ich mein Fahrrad stehen . Den Steilanstieg zum Leihjnukur bewältige ich lieber zu Fuß . Auf einer großen Schneefläche die man queren muß treffe ich die Schweizer Mathias und Roger wieder . Wir lästern gemeinsam über eine französische Touristengruppe die auf einer Modenschau besser aufgehoben wäre als in Island . Wir haben uns wirklich köstlich amüsiert , als eine Dame mit Stöckelschuhen über das Schneefeld stakste wie der Storch im Salat . Am Leihjnukur sehe ich einen großen Schlammpfuhl der so vor sich hinblubbert . Der Gegensatz zwischen dem weißen Schnee und der pechschwarzen jungen Lava ist atemberaubend . Nachdem die Touristengruppen weg sind , sitze ich auf einer Lavaplatte und genieße die Stille und schöne Aussicht.
Die Weiterfahrt von Namaskard in Richtung Egilstadir ist durch eine lange Baustelle sehr schwierig . Bauarbeiter verteilen einen schwarzen sandigen Belag auf der Straße . Das Fahren mit dem schweren Bike durch diesen weichen Sand ist unmöglich . Das Schieben ist sehr mühsam . Aber alles hat mal ein Ende . Mit Rückenwind geht es auf der neuen asphaltierten Straße jetzt zügig voran . Mitten auf der Strecke bleibe ich stehen und bewundere die Lavalandschaft . Es ist windstill und so ruhig , daß ich nur meine eigenen Geräusche höre . Die Landschaft ist einmalig schön . Sanddünen teilweise bewachsen mit Strandhafer erinnern an die Wüste . Bei starken Wind möchte ich hier nicht unterwegs sein . Staub- und Sandstürme machen einem dann schwer zu schaffen . An der Abzweigung zur Askja-Piste schlage ich an einem Bach mein Nachtlager auf . Die Piste ist leider noch gesperrt . Also muß ich meine Routenplanung noch mal neu überdenken . Da ich kein Risiko eingehen will werde ich die Straße Nummer 1 weiterfahren.

 

6. Hochlandeindrücke

Crossrad - Landrover des kleinen Mannes

5.Tag Donnerstag, Uhrzeit : 6Uhr, Temp. : 10 C, Luftdruck : 982 mBar, Höhe über NN: 370m, Tachostand : 6187 Km


In der Nacht hat es angefangen zu regnen aber gegen morgen wieder aufgehört . Über die Brücke der Jökülsa a Fjöllum fahre ich weiter bis zu dem kleinen Ort Grimsstadir . Auf dem "Campingplatz" (eine Wiese mit Waschplatz) sehe ich das Zelt meiner Schweizerkollegen stehen . Von Mathias und Roger ist noch nichts zu sehen . Sie schlafen den Schlaf der Gerechten . Die Straße Nummmer 1 verläuft jetzt am Rande des Hochlandes . Der Tafelvulkan Herdubreid steigt tiefverschneit imposant 1000m aus der Hochebene auf . Die Landschaft wird zunehmend großartiger . Einsamkeit umfängt mich . An einer Farm komme ich vorbei . Wie die Menschen in so einer Einsamkeit die langen Winter überstehen ist mir ein Rätsel . Während der Weiterfahrt über viele kleinere und größere Pässe hat es angefangen zu regnen . Ziemlich ausgekühlt komme ich im schönen Tal Framland an . Hier scheint die Sonne . Die Landschaft ist sehr lieblich mit Wiesen durch die sich kleine Bäche schlängeln . Da beschließe ich erst einmal eine längere Rast zu machen . Aus der Richtung des Hafenstädtchens Seydisfjödur fahren Wohnmobile und Caravans zum Myvatn See . Donnerstags kommt die Fähre aus Dänemark bzw. Norwegen an , und entläßt ihre Fracht in Island . Nach ausgiebiger Rast und entsprechendem Essen überwinde ich den inneren Schweinehund , und fahre ins Hochtal zum Ort Mödrudalur . Der Ort besteht aus 3 Häusern , 1 Kirche und 1 Kaffi . Das Kaffi ist Anlaufpunkt für viele Durchreisende und den Linienbus . Hier treffe ich auch Mathias und Roger wieder . Gemeinsam sitzten wir auf der Terrasse des Kaffeehauses , und trinken Kaffee soviel wir mögen . Die Aussicht auf die Hochlandberge und insbesondere auf den Herdubreid ist phantastisch . In der Sonne draußen zu sitzen macht mir nach dem Akklimatisieren nichts aus . Einige Leute , die mit dem Bus gekommen sind frieren , und sind deshalb in die warme Stube gegangen . Durch das Fahrradfahren und ständige Draußensein ist mir nicht kalt . In dem Kaffi kaufe ich mir für den Abend noch ein paar Büchsen Bier . Mathias und Roger fragen mich ob wir nicht zusammen weiterfahren können . Warum nicht , also sind wir zusammen aufgebrochen . Am Talende des Mödrudalur beginnt der Passanstieg auf den Pass zur Mödrudalsheidi . Der Anstieg ist sehr hart , und führt die Piste auf 700m über Normalnull . Eisige Kälte umfängt uns nachdem die Sonne spät am Abend schon tief steht . Es gibt hier kaum Vegetation und noch sehr viel Schnee . Am Pass steht eine Schutzhütte mit Funk . Auf der Passhöhe teilen Mathias und Roger eine Tafel gute Schweizerschokolade mit mir . Sie erzählen das sie von der Schokolade einige Kilo mitgenommen haben . Durch die Anstrengungen haben sie aber schon über die Hälfte aufgebraucht . Auf der Karte suchen wir einen See wo wir zu übernachten gedenken . Um dorthin zu kommen müssen wir über einen weiteren Pass fahren . Der See den wir aussuchten ist aber noch komplett zugefroren . Deshalb wollen wir zu einer Schutzhütte . Die Schutzhütte ist aber zum Übernachten für 3 Personen viel zu klein . Da beschließen wir trotz großer Müdigkeit weiterzufahren . Mit unseren müden Gliedern haben wir bei der Passabfahrt eine schönes Plätzchen an einem idyllischen See gefunden . Kameradschaft wird großgeschrieben und so teile ich zum Abendessen das Bier mit meinen Schweizerfreunden . Am See hat sich ein Singschwanpärchen eingefunden , das wohl nicht so recht weiß wie es uns einordnen soll .

6.Tag Freitag, Uhrzeit : 9Uhr, Temp. : 10 C, Luftdruck : 944 mBar, Höhe über NN: 600m, Tachostand : 6263 Km

 

Heute morgen um 7 Uhr ist es windstill , die Sonne scheint und es ist warm . Doch das isländische Wetter zeigt jetzt seine Verwandlungskünste . Innerhalb von wenigen Stunden ändert sich das Wetter ins Gegenteil . Dicke Wolken ziehen heran und es wird empfindlich kühl . Die beiden Schweizer haben bei strömenden Regen ihr Zelt eingepackt und sind weitergefahren . Ich bleibe erst einmal hier . Irgendwann wird der Regen schon mal aufhören . Am Spätnachmittag hört der Regen auf und ich packe und fahre weiter . Bei der Passabfahrt treffe ich ein radelndes Pärchen vermutlich Engländer . Die Frau hat sehr schmale Rennreifen aufgezogen . Sie hätte sich über die isländischen Strassenverhältnisse besser informieren sollen . Beide kommen den steilen Anstieg schiebend hinaufgekeucht . Ich warne sie bei dem Sauwetter nicht in die Berge hinein zufahren . Aber sie wollen weiter . Im Talgrund gibt es ein Kaffi mit Namen Dallakaffi . Dort bin ich eingekehrt und habe erst einmal telefoniert . Das Kaffi ist innen sehr gemütlich , und guten Kaffee gibt es auch . Die sehr nette Isländerin stellt mir einfach eine ganze Thermoskanne davon hin . Danach bringt Sie mir ihr Gästebuch . In diesem lese ich von leckeren Waffeln und so bestelle ich mir welche . Meinen Vorkostern muß ich recht geben . So gute Waffeln , ganz frisch gemacht , habe ich selten gegessen . Die Waffeln werden warm mit Marmelade und köstlicher Sahne serviert . Die Isländerin sagt , daß das Kaffi normalerweise eine Schule für 6-10 jährige Kinder sei . Dann prüft sie den Inhalt der Thermoskanne , und schickt sich an noch eine zu machen . Da bremse ich sie , denn 2 Kannen Kaffee das hält das stärkste Herz nicht aus .
Tja mit den isländischen Göttern ist nicht zu spaßen . Hätte ich sie doch schon am Anfang der Reise besänftigt . Als ich einen schönen Wasserfall besichtigen und photografieren will da haben sie sich einfach selbst bedient . Meine Lenkertasche erhält einen Schubs , und rollt den Abhang hinunter . Die Tasche öffnet sich im Fallen etwas , und heraus purzeln die Vitamintabletten sowie Münzgeld . Mit einem Stoßseufzer gen Himmel denke ich Thor , Odin bitte laßt mich jetzt zufrieden . Bei den Isländern findet man noch Reste von Naturglauben , oder wenn man man es anders ausdrücken will , Respekt vor der Natur . Eine Straße wurde , nachdem es Unfälle und verschiedene andere nicht erklärbare Phänomene gab , um einen Felsen herumgebaut . In dem Felsen sollen Elfen und Trolle ihr Zuhause haben . Sogar einen Film hat das Fernsehen über diese Vorfälle gedreht . Gegen Mitternacht bin ich in Egilstadir angekommen . Mathias und Roger haben schon auf mich gewartet , und sich mit einem Bier revanchiert . Der Campingplatz verdient diesen Namen . Es gibt saubere Toiletten und warme Duschen . Herrlich angenehm das Gefühl wieder richtig sauber zu sein . Die Besitzerin des Campingplatzes hat in Deutschland studiert und spricht sehr gut Deutsch . Ich frage sie nach dem Wetter für die nächsten Tage . Da muß sie mich leider enttäuschen . Es ist erstmal Regen angesagt . Bedingt durch eine nahe Tankstelle ist es leider etwas laut hier . Isländische Jugendliche sind bis weit nach Mitternacht noch sehr aktiv . Freitag und Samstag sind die Tage an denen sich die Isländer austoben . Sie trinken an diesen beiden Tagen so viel wie wir vielleicht in einer Woche . So ist auch das Unglück zu erklären , das Mathias und Roger in dieser Nacht widerfährt . Ein Auto hält , und ein betrunkener Isländer fällt in das Zelt von den beiden Schweizern . Eine Zeltstange geht zu Bruch .

7. Nationalfeiertag

extrem - Alles , was die eigene Leistungsfähigkeit übersteigt ; insofern eine eher abschätzige Bemerkung . Wird man dagegen selbst als "extrem" bezeichnet , gilt dies als bewundernde Anerkennung .

7.Tag Samstag, Uhrzeit : 9Uhr, Temp. : 14 C, Luftdruck : 994 mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6328 Km


Der Wetterbericht behält recht . Es schüttet wie verrückt . Um 9 Uhr ist es mit 14 Grad Celsius wärmer als um 12 Uhr . Ich kann nicht aus dem Zelt oder ich bin augenblicklich nass . Unter dem überdachten Waschplatz flüchtet eine Familie aus Deutschland zum Frühstücken . Sie sind mit ihrer 6-jährigen Tochter mit Fahrrädern unterwegs . Teilweise fahren sie aber mit dem Bus . Insgesamt 6 Wochen wollen sie auf Island bleiben . Sie erzählen mir , daß sie bis jetzt sehr schönes Wetter hatten ohne Regen . An den teilweise von der Sonne verbrannten Gesichtern sehe ich , daß sie die Wahrheit erzählen . Heute ist in Island Nationalfeiertag . Im Radio ertönt feierliche Musik und Reden werden geschwungen . Die Menschen fahren schick angezogen mit ihren Autos zum Büffetessen . Für die Kinder ist volles Spiel und Spaßprogramm in der Schulturnhalle angesagt . Eine neue Variante isländischen Lokalklimas gibt es zu sehen . Durch ein Wolkenloch scheint die Sonne , während es in Strömen regnet . Noch ein weiterer Radfahrer aus Deutschland ist da . Er kommt aus den neuen Bundesländern und hat das gleiche Zelt wie ich dabei . Er arbeitet in Zwickau in einem Outdoorladen erzählt er mir , und veranstaltet Diavorträge über seine Reisen . Freundlicherweise gibt er mir seinen Busfahrplan . Ich schreibe mir die An- und Abfahrzeiten der Strecke Höfn - Reykjavik auf .

8.Tag Sonntag, Uhrzeit : 9Uhr, Temp. : 12 C, Luftdruck : 1001 mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6328 Km


Das Wetter in Egilstadir ist wieder schön , und so fahre ich weiter . Zuerst will ich noch an eine Telefonzelle um zu telefonieren . Aber die Telefonzelle ist defekt . Dann passiert mir das Malheur . Ich fahre in das falsche Tal und merke es erst nach 17 Km . Das ist die reine Energieverschwendung . Also wieder zurück . 34 Km umsonst . In Richtung Breidalsvik kommt kurz vor dem Pass die Abkürzung für den sogenannten Öxi-Track . Ich versuche ihn zu befahren . Zuviel Schmelzwasser und die reißenden eiskalten Bäche machen mir einen Strich durch die Rechnung . Ich versuche einen zu durchwaten . Das Wasser treibt an meinen Waden empor und kühlt mich rasch aus . Da ich mit Fahrrad und Gepäck nicht in einem Rutsch durchkomme , kehre ich um . Ich müßte bei jedem Bach 8 mal hin und herlaufen , um Fahrrad und Gepäck auf die andere Seite zu bringen . Es gibt laut Karte viele Bäche , die den Öxi-Track kreuzen . Nach der atemberaubenden Passabfahrt , der Weg windet sich in vielen Spitzkehren ins Tal , stelle ich auf einer sumpfigen Wiese erschöpft mein Zelt auf . Nach 104 km an diesem Tag habe ich mein Essen für heute wirklich verdient . Das Wetter verschlechert sich . Wolken treiben in den Fjord , und es fängt an zu regnen.

8. In den Ostfjorden

9.Tag Montag, Uhrzeit : 7Uhr, Temp. : 8 C, Luftdruck : 1005 mBar, Höhe über NN: 40m, Tachostand : 6432 Km


Im Fjord kleben die Wolken an den steilen Hängen . Da es aufgehört hat zu regnen beschließe ich weiterzufahren . Ohne richtiges Frühstück viele Kilometer fahren zu wollen ist hart . Ein paar Müsli und Eiweißriegel helfen die Arbeit zu tun . Fjordfahrerei ist deprimierend . Morgens bin ich am Fjordeingang und sehe das Ziel auf der anderen Seite . Aber erst am Nachmittag erreiche ich mein Ziel . Nach Umfahrung des Fjordes und 84 Radkilometern habe ich Djupivogur erreicht . Djupivogur ist ein kleines Städtchen mit Postamt , Tankstelle , Supermarkt und Bank . Der erste Weg führt mich zur Bank um Geld zu tauschen . Dann geht's zum Postamt telefonieren . Danach kaufe ich im Supermarkt ein . Nach dem Einkauf sitze ich vor dem Markt in der Sonne , und esse zu Mittag . Das Menü besteht aus Frischkäse mit Shrimps , Pfannkuchen und zum Nachtisch Erdbeerskyr. Das kann man wirklich essen und es wird einem auch nicht schlecht davon . Es ist kalt geworden und so gehe ich in die Tankstelle um auf den Bus zuwarten . Zuvor mache ich mein Fahrrad noch reisefertig und entschlamme es . In der Tankstelle ist ein Imbiss und es ist gemütlich warm . Draußen hat es heftig zu regnen begonnen . Ich lese ein Buch trinke Kaffee und warte . Es ist interessant das Kommen und Gehen an der Tankstelle zu beobachten . Isländische Kinder kommen herein , kaufen sich Softeis oder andere Süsigkeiten und bezahlen mit Kreditkarte . Ganze Familien fallen ein plappern munter drauf los oder spielen mit dem Spielautomaten . Der Tankstellenkiosk ist der Treffpunkt des Ortes . Es schüttet als der Bus ankommt . Der Bus ist bedingt wohl durch das schlechte Wetter fast bis auf den letzten Platz besetzt . Beherzt hat der Busfahrer im strömenden Regen das Fahrrad oben auf den Gepäckträger befestigt . Meine Taschen haben gerade noch Platz gefunden . Im Bus ist es gemütlich warm . Ein Blick nach draußen verrät , daß die Entscheidung mit dem Bus zu fahren die Richtige ist . Die Straße ist sehr schlecht und viele Steigungs- und Gefällstrecken mit bis 14% hätten mich mit dem Fahrrad einen harten Radlertag gekostet . Der Busfahrer muß die Strecke gut kennen . Er fährt mit dem Bleifuß . Mehrfach male ich mir aus was passieren würde wenn ein Fahrzeug entgegenkommt . Mit schlafwandlerischer Sicherheit fährt er mit 100 Km/h über die Schotterpiste , und kommt pünktlich in Höfn an .
In Höfn ist das Wetter wieder gut , und so entschließe ich mich nicht auf dem Campingplatz zu übernachten sondern noch ein Stückchen weiterzufahren . Der Wind ist sehr stark und ich komme nur langsam voran . Der Wind kommt jetzt in Böen schräg von vorne und wird jetzt so stark , daß ich in Schräglage fahre . Die entgegenkommenden Kraftfahrzeugfahrer schauen mich mitleidig lächelnd an . Ich komme nur noch mit 6Km/h voran . Gottseidank finde ich eine Felsennische . Dort baue ich mein Zelt auf . Schon beim Zeltaufbau muß ich höllisch aufpassen , daß der Wind mir das Zelt nicht zerreißt . Der Wind kommt als Fallwind vom Gletscher mit bestimmt 80 Km/h heruntergebraust . Der Fahrradcomputer hat die Busfahrt nicht überlebt und ist defekt . Laut Straßenschild sind es von Höfn bis Skaftafell , meinem Endziel , 131Km .

9. Gletscheraussichten

Der Gletscher war so gewaltig groß , daß er näher zu sein schien , als er es in Wirklichkeit war , doch ein paar gigantische Eisbrocken , die einst die zerissene Steilwand heruntergebrochen waren , lagen knapp einen halben Kilometer entfernt zuhauf . Die Stimme der mächtigen Eiswand in der Nähe grollte , knarrte und ächzte . Die gewaltige , majestetische, ungeheure Ausdehnung des Eises türmte sich bis zum Himmel und bedeckte das Land , soweit das Auge reichte , von einer Seite bis zur anderen .

10.Tag Dienstag, Uhrzeit : 8Uhr, Temp. : 14 C, Luftdruck : 997 mBar, Höhe über NN : 20m, Tachostand: 6530Km


Der erste Blick aus dem Zelt gilt heute früh dem Wetter . Es sieht gut aus . Gutes Wetter braucht man unbedingt bei dieser Etappe . Wie ich finde eine der schönsten Strecken in Island . Bei schönen Wetter begleiten mich die gewaltigen Gletscherabflüsse des Vatnajökulls . Am Anfang der Strecke habe ich erst nochmal starken Wind von der Seite , und ich fahre in der bekannten Affe auf Schleifsteinhaltung in Schräglage. Das ist nicht so einfach , denn man muß aufpassen das man , wenn der Wind plötzlich aufhört , nicht umfällt . Mit wird erst jetzt bewußt , daß ein Fahrrad ein Eigenleben hat . Der Wind reißt und zerrt am Fahrrad das ich mir vorkomme wie auf einem Rodeo . Nach Umfahrung eines Bergrückens habe ich Glück denn nun dreht der Wind auf schräg von hinten . Mit Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 Km/h und ohne große Anstrengung fliege ich über die Piste .

Die Landschaft ist unbeschreiblich schön. Schaue ich nach rechts sehe ich die gewaltigen Eisabflüsse, schaue ich nach links komme ich mir vor als wäre ich an der Nordsee, schaue ich geradeaus so bin ich in der Wüste. Die Eisabflüsse des Vatnajökulls gehen bis auf Meeresniveau herunter. In früheren Zeiten haben sie große Mengen an Geschiebe mitgebracht das so aussieht wie Geröll und Sanddünen. Am Meer selbst weiden auf Grünflächen Schafe und das gibt dem Land den Charakter einer Nordseemarschlandschaft. Ich sitze dem höchsten Berg Islands dem Hvannadalsnukur in herrlichem Sonnenschein gegenüber und lasse die Seele baumeln. Leicht bewölkt und im Windschatten ist die Sonneneinstrahlung so hoch, daß ich zu schwitzen anfange. Der Gletscher vor mir , der Breidarmerjökull , füllt den ganzen Horizont aus . Als ich weiterfahre tauchen aus der Geröllwüste Eisberge auf . Ich glaube zu träumen . Wahrscheinlich foppen mich die Elfen und Trolle . Island verwirrt die Sinne hatte ich irgendwo mal gelesen . Dem ist nicht so . Der Breidamerjökull kalbt in eine Gletscherlagune , die Jökullsarlon . Die Lagune ist übersäht von Eisbergen aller denkbaren Formen . Wenn sie genügend abgeschmolzen sind werden sie von einer starken Strömung ins Meer getrieben . In der Lagune schwimmen Seehunde und Seevögel gehen auf die Jagt .

An der Touristenhütte trinke ich Kaffee und esse ein Stück Kuchen . Sehr gemütlich im Windschatten in der Sonne zu sitzen immer mit Blick auf Islands höchsten Berg , dem Hvannadalsnukur . Am Meer nicht weit von der Lagune entfernt beobachte ich die Eisberge die vom Meer an den Strand zurückgeworfen werden . Wie Edelsteine liegen die Eisberge am Strand verteilt . Niedlich den Seehunden zu zusehen , wie sie spielerisch in der starken Strömung und Brandung schwimmen . Welche Highlights kann es noch in Island geben denke ich mir , da kann doch nicht mehr viel übrigbleiben . Weit gefehlt , nach anstrengender Fahrt teilweise gegen den Wind bin ich dann im Nationalpark Skaftafell angekommen . Ich muß sagen die Fahrt hierher hat sich gelohnt. Skaftafell ist eine Oase am Rande einer großen Sand- und Geröllwüste . Große Sanderflächen , die durch Gletscherläufe entstanden , bedecken das Land vom Rand der Gletscher bis zum Meer . Ca.120 Km Tagesetappe liegen heute hinter mir . Das ist auch meine physische Grenze . Meine Beinmuskulatur schmerzt , die letzten Kilometer waren sehr hart . Doch der Campingplatz liegt am Rande eines Birkenwäldchens und ist sehr schön angelegt . Vögel zwitschern die Sonne scheint , das hebt die Stimmung und läßt die Anstrengungen schnell vergessen . Im übrigen werde ich jetzt das Fahrrad stehenlassen , um die Schönheit der Landschaft zu Fuß zu entdecken .

10. Skaftafell Nationalpark

11.Tag Mittwoch, Uhrzeit : 19Uhr, Temp. : 12 C, Luftdruck : 1010 mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6655Km

 

Unglaublich welche Leute sich hier so einfinden . Ein Kanadier will 4 Wochen unterwegs sein . Wir fachsimpeln ein wenig über Fahrräder und Fahrradtechnik . Er findet meine Brems Schalteinheit gut . Außerdem ist er überrascht , daß ich mit einem Trecking und nicht mit einem Montainbike unterwegs bin . Bei herrlichsten Sonnenschein um 8 Uhr habe ich draußen gefrühstückt ; der Tag beginnt ja toll . Nach dem Frühstück habe ich dann einen Ostdeutschen aus Thüringen getroffen . Wärend des längeren Gesprächs stellte sich heraus , daß er in Dreieich lebt und in Frankfurt arbeitet . Wie klein doch die Welt ist . Zusammen unternehmen wir eine mehrstündige Wanderung zum Nydrihnaukur . Von dort genießen wir einen wunderbaren Ausblick auf die atemberaubende Gletscherwelt . Gegen Mittag kann man sehen wie schnell sich hier das Wetter ändert . Auf dem Rückweg fängt es an zu regnen und wird empfindlich kalt . Gut , daß ich Handschuhe und Ohrenschützer dabei habe . Nach dem langen Marsch kaufe ich im Kiosk mein Mittagessen ein . Es gibt als Vorspeise Lachs , dann folgen Malaysische Hühnersuppe mit Shrimps und zur Spülung ein isländisches Bier . Der Ostdeutsche hat auf dem Campingplatz in Reykjavik den legendären Schweizer "Almöhi" getroffen . Der Schweizer kommt seit etwa 25 Jahren regelmäßig nach Island um seinen Sommerurlaub hier zu verbringen . Mittlerweile ranken sich einige Legenden um Ihn . Man sieht ihn hin und wieder mit einen alten gelben Schweizer Postrad . Das ist recht schwer (ca.30 Kg) und hat nur 3 Gänge . Aber häufiger ist er als Wanderbursche zu Fuß unterwegs und kennt sich recht gut aus auf Island . Jetzt am Abend regnet es sehr stark . Leicher Südostwind treibt die Wolken gegen die Berge , sie stauen sich und es regnet .

 

12.Tag Donnerstag, Uhrzeit : 8Uhr, Temp. : 13 C, Luftdruck : 1010 mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6655Km


Nach dem heftigen Regen in der Nacht ist es heute morgen wieder schön . Deshalb beschließe ich eine Wanderung ins Mödrudalur zu unternehmen . Unterwegs treffe ich auf eine Gruppe Engländer die zusammen mit Isländern die Wege im Nationalpark befestigen und ausbauen . Das nenne ich aktiven Umweltschutz . Bei meiner Rückkehr treffe ich Mathias und Roger meine beiden Schweizer Radfahrkollegen wieder . Sie erzählen , daß Sie die letzten Tage scheußliches Wetter hatten mit viel Gegenwind . Einmal mußten sie sogar wegen des Sturmes bei einem Bauern übernachten . Mathias sagt sie wollten auch die Abkürzung mit dem Öxi-Track machen aber der Bauer kam und riet Ihnen ab . Meine Spuren haben sie auch gesehen . Nach der Wanderung beschließe ich erst einmal zu duschen . Die Dusche ist extra zu bezahlen und kostet etwa 4.-DM (Wahnsinn) .

13.Tag Freitag, Uhrzeit : 18Uhr, Temp. : 15 C, Luftdruck : 1019 mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6655Km


Heute steht wieder eine Wanderung auf dem Programm . Zum Morsajökull hin und zurück dauert es rund 7 Stunden . Die Gegend ist einfach wunderschön . Einsam wandere ich auf einem schmalen Pfad durch ein lichtes Birkenwäldchen . Die Gegend wirkt irgendwie Nacheiszeitlich . Wenn ich mich so umblicke kann ich mir vorstellen wie es gewesen sein muß , als sich die Gletscher aus Europa zurückzogen und das Leben wieder vom Land Besitz ergriff . Donnernd lautes Knallen weckt mich aus den Träumereien . Der Gletscher arbeitet . Beeindruckend die kleine Gletscherlagune auf der Eisberge treiben . Nicht so eindrucksvoll wie bei Jökulsarlon , aber doch ganz nett .

11. Zurück zur Familie

Endspurt - Letztes Aufflackern der Lebensgeister vor dem endgültigen Abschlaffen . Die Motivation ist beim zivilen und sportlichen Radfahrer die gleiche : Endlich Schluß mit der Quälerei !

14.Tag Samstag, Uhrzeit : 7Uhr, Temp. : 12 C, Luftdruck : 1021 mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6655Km


Der höchste bisher auf der Reise in Island gemessene Luftdruck , aber es nützt überhaupt nichts es regnet sehr heftig . Heute fahre ich mit dem Linienbus nach Reykjavik zurück . Alle Sachen muß ich im strömenden Regen einpacken . Das ist nicht sehr angenehm . Nach einem Kaffee und Kuchen für unverschämte 10.- DM stieg das Stimmungsbarometer wieder an . Durch den vielen Regen ist das Fahrrad von selber wieder sauber geworden . Der Bus hat einen großen Stauraum für Gepäck und die Fahrräder passen ohne Probleme hinein . Der Linienbus ist zugleich Postbus und Paketbeförderung , und so haben wir in Kirjubaejarklaustur 1/2 Stunde Aufenthalt am Edda Hotel . Die Edda Hotels sind normalerweise Internatsschulen die in den Sommermonaten zu Touristenhotels umfunktioniert werden . Das Edda-Hotel in Kirkju hat ein sehr gediegenes Entree . Wie in gehobeneren Hotels bei uns . Trotz der vielen Stops kommt der Bus pünktlich in Reykjavik an . Am Busbahnhof bezahle ich die Buskarte mit der VISA-Card . Das geht in Island alles ohne Probleme . Der Lebensstil entspricht einer Mischung aus Amerika und Europa . Geographisch gehört Island sowohl zu Amerika als auch zu Europa . Reykjavik empfängt mich wieder mit schlechtem Wetter wie vor 2 Wochen . Der Campingplatz liegt direkt neben dem erdwärmegeheizten Freischwimmbad . Der Platz ist sehr modern und kostet 500 IKr ca.12,50 DM . Warmes Duschen kostet aber extra . Am Empfang hängt tatsächlich ein Bild vom legendären Josef aus der Schweiz .

15.Tag Sonntag, Uhrzeit: 8Uhr, Temp.: C, Luftdruck: 1030mBar, Höhe über NN: 80m, Tachostand : 6660Km


Am Morgen hört es auf zu regnen . Gottseidank kann ich nun wenigstens im Trockenen alles zusammenpacken . Die Sonne scheint und es wird richtig warm . Auf dem Campingplatz treffe ich einen Radlerkollegen der mit einem nagelneuen Fahrrad mit Campagnoloschaltung unterwegs ist . Ich wünsche ihm für sein Vorhaben viel Glück . Für den Transfer zum Flughafen leiste ich mir den unglaublichen Luxus einer Taxifahrt . Ca. 90.-DM kostet mich die Fahrt . Der Taxifahrer ist aber sehr nett und erzählt mir so allerhand von Island . Zum Beispiel kostet in Island ein Haus mit großen Grundstück ca. 250.000.-DM aber ein 300-er Mercedes Diesel ca. 125.000.-DM . Was für ein Unterschied . Die Grundstücke gehören alle dem Staat und sind in Erbpacht vergeben . Um sich den hohen Lebensstandard leisten zu können haben die Isländer 2-3 Jobs . Die Isländer arbeiten also z.B. von 8Uhr bis 17Uhr im ersten und von 19 Uhr bis 22 Uhr im zweiten Job . Ich muß den Isländern ein Kompliment machen . Für ein Volk mit 250000 Menschen haben sie sich allerhand aufgebaut .


Island Eisberg Gletscherlagune

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Quellenangabe: Alle Bilder sind vom Autor sofern nicht anders gekennzeichnet

Schrifttum:

Kamera: Olympus analog

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 18. Oktober 2008 um 16:37 Uhr
 

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

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